Renaissance in der Kommunikation: Der Mensch als lokales Wesen

Haben Sie schon einmal von den Dabbawallas gehört? Auch wenn der Name vielleicht so klingen mag – Dabbawallas sind nicht die neuen Stars irgendeines Kinderfernsehkanals, in pastellfarbene Gewänder gehüllt und mit übergroßen Füßen. Sondern Zusteller, die in der indischen Großstadt Mumbai den Büroangestellten das Mittagessen bringen, abgefüllt in mehrteiligen Metallbehältern, zubereitet entweder von den Familienangehörigen zu Hause oder von einer der Großküchen. Und genau das macht sie zu heißbegehrten Forschungssubjekten von Ökonomen und Unternehmen.

Das Transportsystem der Dabbawallas basiert auf einer einzigartigen zwischenmenschlichen Logistik: Tag für Tag liefern 5.000 Dabbawallas ca. 200.000 Essen aus und bringen die leeren Behältnisse wieder zurück. Die Essensboxen sind deshalb entsprechend gekennzeichnet – mit Farben, Buchstaben und Ziffern. Trotz mehrfacher Übergaben auf dem Weg kommt es kaum zu fehlerhaften Auslieferungen. Dafür bekamen die Dabbawallas 1998 ein Six Sigma Rating für 99,99 Prozent Zuverlässigkeit vom „Forbes Global Magazine“, sprich: bei einer Million Auslieferungen landet nur ein Essen beim nicht dafür vorgesehenen Empfänger.

Liefern lassen, von A nach B kommen, kommunizieren – alles hyper local

Was die Dabbawallas in Mumbai schon seit über 100 Jahren machen, wird in nun zunehmend elektronisch abgewickelt. In unserer westlichen Welt beginnt der Gedanke daran gerade Fuß zu fassen: Hyper Local Delivery. Galt es noch vor wenigen Jahren als die Errungenschaft der modernen Zeit, in Online-Shops weltweit einkaufen zu können, ist es heute attraktiver denn je, im Supermarkt um die Ecke online zu bestellen und zwei Stunden später steht ein Supermarkt-Mitarbeiter vor der Haustür, der die bestellten Dinge liefert. Dass große Konzerne wie Amazon die unterschiedlichen Konzepte für Hyper Local Delivery ausgerechnet in Indien testen, verwundert nicht weiter, oder? Dort gibt es nicht nur langjährig gereiftes Erfahrungswissen zu diesem Thema, sondern auch genügend Menschen, um diese Dinge auf breiter Basis auszuprobieren.

Hyper Local Delivery ist aber nur ein Trend-Phänomen – andere sind „Hyperlocal Car“ und „Hyperlocal Services“, zwei Begriffe, die den Transport von Menschen und Gütern und das Zusammenbringen von Mensch und Dienstleister beschreiben. Die Entstehung von privaten Mitfahrdiensten wie Uber sind diesem Phänomen geschuldet. Das, was die beiden Trends verbindet, ist „Hyper Local Communication“ – denn irgendwie müssen die Menschen, die ihre Dienste anbieten, und die, die sie in Anspruch nehmen wollen, ja auch zusammenfinden. Und genau dafür bauen wir eine Kommunikationsplattform – für alle Arten der lokalen Interaktion. Ganz egal, ob Menschen ein Auto buchen wollen, zwei Liter Milch bestellen oder sich mit anderen aus ihrem Viertel verabreden – auf unserer Plattform kann alles das abgebildet werden, von Bauchladen bis special interest. Wir unterstützen die ungerichtete Adhoc-Kommunikation zwischen Menschen.

Lokal, global und wieder lokal

Und was ist daran die Renaissance? Ganz einfach: Bevor es das Internet gab, agierten die Menschen auf lokaler Ebene miteinander. Dann kam das Netz und mit ihm die Begeisterung für alles, was sich auf globaler Ebene abspielte. Online-Shops! Wow! Bücher aus USA? Kein Problem! Fenster aus Polen? „Freunde“ auf der ganzen Welt? Na klar, ist doch alles kein Ding mehr heutzutage! Aber aller weltumspannenden Technik zum Trotz: Der Mensch ist ein lokales Wesen. Er möchte es am liebsten mit lebendigen Menschen in seiner allernächsten Umgebung zu tun haben und nicht mit Computerstimmen aus Übersee. Und deshalb wird es jetzt wieder eine Kehrtwende geben – hin zu lokalem Erleben, zu lokaler Vernetzung, zu lokaler Wirtschaft. Eine Renaissance eben.